Warum noch Cthulhu spielen?

Irgendwo tief in mir bin ich ein Kind geblieben.
Erst dann, wenn ich’s nicht mehr spüren kann,
weiß ich, es ist zu spät für mich.

Im Cthulhu Forum fragt gerade ein Neuling, warum man Cthulhu spielen soll. Ich frage mich, warum ich noch Cthulhu spielen soll? Oder besser gesagt, warum soll ich noch Cthulhu leiten, wenn es mir nichts mehr gibt. Am vergangenen Wochenende hab ich den Herr von Kersalamand geleitet und dabei kam keine Stimmung auf bei mir. Die Spieler waren alle gut, haben sich bemüht aber mir ist das Spiel immer wieder entglitten. Ich musste mich zusammenreissen, war bemüht aber auch müde und genervt. Zum einen, weil es mir nicht möglich war die entsprechende Stimmung zu vermitteln und zum anderen weil in mir nicht das Gefühl der inneren Befriedigung so wie früher aufkam.

Seit ein paar Jahren fällt mir das leiten schon zusehends schwerer, ich fühle mich ideenlos und ausgebrannt. Mit der Zeit und einer Pause wurde das auch nicht besser. Mein Heil suche ich im spielen. Das klappt ganz gut und bisher sind auch nette Runden zustande gekommen. Ich bin innerlich unruhig und auf der Suche nach DEM Spiel das es eigentlich nicht gibt. Irgendwas das das Feuer das ich früher als Spielleiter verspürte, wieder schürt, entfacht.

PS: Wenn ich den Artikel gerade so Korrektur lese, stelle ich fest, das ich mir die Frage schon mehr als einmal gestellt hab. Ich bin auch ein sehr wankelmütiger Mensch, leicht zu begeistern und noch leichter abzulenken. Das erklärt wohl das einleitende Zitat, den das Kind ist noch da, ganz tief, verschüttet, aber noch da.

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Der Herr von Kersalamand

ein Cthulhu Abenteuer von Carsten Schmitt nach einer Idee von Jörg Kleudgen.

Gestern gespielt mit 4 Spielern und fast 8 Stunden gebraucht. Ein sehr dankbares Non-Mythos Abenteuer an dem sich die Spieler am Schluss einem Pflanzenwesen gegenüberstehen das besiegt werden will. Auch wenn viel offtopic Gelabere dabei war und wir 1,5 Stunden später als geplant anfangen konnten. Spass hat es auf jeden Fall gemacht, aber ich hab gemerkt das es anstrengend und aufwendig für mich ist, Abenteuer vorzubereiten. Das lesen ist die eine Sache, das vorbereiten eine andere. Der Entschluß bei Cthulhu vorerst auf das SL Amt zu verzichten und nur Unknown Armies oder ein Indiespiel als One Shot anzubieten, gewinnt zusehends an Reiz. Es ist einfach nicht mehr wie früher, als ich 6-10 Stunden am Stück hintereinander ein Abenteuer improvisiert hab oder tagelang Zeit in die Vorbereitung stecken konnte. Das fällt mir zunehmend schwerer. Damit werde ich zwar ein paar Leute enttäuschen, aber mein eigenes Wohlbefinden ist mir dann doch wichtiger.

Es ist nicht tot, was ewig liegt,
bis dass die Zeit den Tod besiegt. 🙂

Meine dritte UA Runde

Nachdem aus es verschiedenen Gründen nicht zu einer Fortsetzung meiner zweiten UA Runde kommt, bin ich dabei eine dritte (oder eine neue zweite) Unknown Armies Runde aufzumachen.

Ich spiele bereits Cthulhu, Unknown Armies und Warhammer 40K. Warum also noch mal eine weitere Runde in der ich auch noch leite? Ganz einfach. Kurz und knackig heisst die Devise, leiten ohne lange Vorbereitung. Die Cthulhu Now Kampagne Unfassbare Mächte habe ich kurzerhand auf den Herbst verschoben. Und für den heute geplanten Herr von Kersalamand bin ich noch am scannen der Handouts. Cthulhu ist schön, erfordert aber allseits viel Vorbereitung, für die ich eigentlich keine Lust habe.

Wenigstens bin ich ehrlich. Es ist die eigene Lethargie die ich nicht überwinde. Unknown Armies leite ich nur deshalb, weil da die Schwelle zur Vorbereitung einfach niedriger ist. Das geplante Abenteuer Garden full of Weed hab ich mindestens 3x durchgelesen bisher. Hab die Korrektur zur deutschen Übersetzung gemacht, sprich ich kenne das Abenteuer und die Anforderungen. Und verdammt eins, ja Unknown Armies ist cooler als Cthulhu. Weniger historische Genauigkeit und einfach schräge Ideen.

Im Haus der Renunziation hab ich in der Reihe: Warum ich so gerne Unknown Armies mag, auch schon darüber geschrieben:

Unknown Armies ist für mich das innovativste Jetztzeit-Rollenspiel. Punkt. Selten nur lässt sich eine Aussage derart klar und unzweifelhaft treffen.
Obwohl die Bücher von William S.Burroughs (Naked Lunch), Chuck Palahniuk (Fight Club), Tim Powers, die tabloid press und die real world chaos magie als „literarische“ Ideenlieferanten dienen, ist UA etwas ganz ganz eigenes. Als Filmvorbilder ließen sich übrigens die Filme Lynch, Finchers, Cronenbergs und vielleicht die Serie Akte X vorsichtig nennen lassen, aber so ganz trifft es die Stimmung des Spiels nicht. UA ist seltsam, trippig, sehr erwachsen, psychologisch, amerikanisch  und mehr als ein wenig psychotisch, immer ein wenig neben der Spur. Ich kenne kein Rollenspiel dass ich anspruchsvoller finde. Don`t get me wrong ich liebe dieses seltsame Gefühl, das nur UA aufkommen lässt.

So geschrieben stammt es von Ingo K. Ende 2003. Derweilen hat Ingo sich schon ein paar mal umorientiert und eigentlich auch kein Interesse an Unknown Armies mehr.

Ich hab das Zitat dennoch übernommen, weil es so ziemlich mein derzeitiges Interesse in Sachen Rollenspiel wiederspiegelt. Klar würd ich mich auch gern mal wieder durch ne Fantasy- oder SF Welt schnetzeln, gritty gaming so wie früher, aber bitte nur als Spieler. Als SL bin ich zu faul mir Gedanken darüber machen zu müssen, wie meine Welt aussieht. Bei UA hab ich ein Minimum an Vorbereitung bei einem Maximum an Spielspass. Sowohl als Spieler als auch als Spielleiter.

Und genau deshalb werde ich heute bei Cthulhu auch mein bestes geben. Um zu zeigen das ich kann, wenn ich will, aber nicht so oft will, wie ich kann.

Winterzeit ist Cthulhuzeit

Wenn ich aus dem Bürofenster blicke dann schneit es ganz dick. Der Hof ist bereits weiss bedeckt, die Gehwege auch. Der Winter ist angekommen. Und um diese Zeit werde ich dann auch nostalgisch, lasse den Blick in die Vergangenheit schweifen zu einem prasselndem Feuer im Kamin und schönen Spielrunden.

Wie dem auch sei, aus purer Sentimalität hab ich beschlossen einige Oneshots für Cthulhu anzubieten. Gestohlene Leben und Der Herr von Kersalamand haben sich da förmlich aufgedrängt. Beide habe ich schön öfter geleitet und kenne sie zum Teil auswendig. Beide lassen sich schön mit Handouts ausschmücken und an einem Abend erleben.

Bei Interesse empfehle ich einen Blick in die aktuelle Ausgabe des Arkham Advertisers zu werfen.